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Johann Matthias Prückelmayr, Freiherr von Goldegg

Das außergewöhnliche Leben von Johann Matthias Prückelmayr, Freiherr von Goldegg (1589 – 1656)

In den historischen Ausführungen war der Geheime Rat des Kaisers und österreichische Hofkanzler, Dr. Johann Matthias Prückelmayr, Freiherr von Goldegg, bislang weitgehend unbeachtet geblieben. Soweit es sich für die Lebensgeschichte Prückelmayrs beurteilen lässt, war das damals eine erstaunliche Zeit, einzigartig, wie kaum eine zweite.

Von niederer Herkunft stieg besagter Hofkanzler, umsichtig und zielstrebig, die Karriereleiter empor, wobei er sich das volle Vertrauen des Kaisers erwerben konnte. Dies, obwohl von Prückelmayr bekannt war, korrupt und käuflich zu sein. Für ihn war nur bedeutend, an seiner Loyalität zum Kaiserhaus und an der Integrität seiner Amtsführung keine Zweifel aufkommen zu lassen. Über 29 Jahre wirkte Dr. Johann Matthias Prückelmayr, Freiherr von Goldegg auf dem Kaiserhof und stand als Hofkanzler, Geheimer Rat und Hofvizekanzler 18 Jahre lang an der Spitze der Wiener Hofgesellschaft, wobei er die kaiserliche Politik maßgebend prägte.

Angesichts der wirtschaftlichen Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges und der Suche nach Frieden, verlangte die kaiserliche Führung zwangsläufig nach neuen Wegen in ihrer Verwaltung als auch in der Finanzgebarung, die es zu realisieren galt. Rundwegs das Finanzwesen auf solidere und effizientere Fundamente zu stellen, blieb ein hilfloser Versuch. Sehr wohl können viele soziale und ökonomische Überlegungen, wie die Vereinheitlichung der Baderordnung mit der Privilegienbestätigung für die Wiener medizinische Fakultät (1638) realisiert werden. Bei den vielen Fragen zur Politik und Wirtschaft beauftragte Ferdinand III. seinen Hofkanzler jedes Mal schriftlich per Dekret mit der Durchführung seiner Anordnungen. Diese wurden in den Protokollbüchern „Hoffinanz“ einge-tragen und sind nun als Arbeitsnachweis von Interesse.

Es dürfte einen tieferen Sinn haben, dass Kaiser Ferdinand III. wohl bewusst, den bedeutenden Humanisten seiner Zeit und wichtigen Gesandten des Papstes, Lukas Holstenius, bei seinem Wienbesuch, im Haus der Familie Prückelmayr einquartierte.

Prückelmayr entsprach dem Ideal des talentierten und besonders erfahrenen Spitzenbeamten, der die Komplexität der Konflikte routiniert erkannte und den der Herrscher, je nach Gutdünken, am häufigsten bei Problemen beizog. Seine Leistung ist umso bemerkenswerter, als er gegen die Konkurrenz des Adels aufkommen musste. Aus diesem Grunde beklagt Oxford – Professor Robert J.W. Evens auch in seinem Werk „Das Werden der Habsburger Monarchie, 1550 – 1700“, Seite 339, das Fehlen einer zusammenfassenden Monographie zu Prückelmayr.

Aus dem Rahmen fällt, dass Prückelmayr als Emporkömmling mit bäuerlichen Wurzeln unbestritten als einer der mächtigsten Männer seiner Zeit geltend, die Finanzen eines bankrotten Reiches zu ordnen versuchte, wobei er sich dabei wenig Freunde schaffte. Die Revanche folgte nach seinem Ableben. Im Archiv der Stände wurden einfach seine Nachweise beseitigt. So hütet heute das Niederösterreichische Landesarchiv nur drei Belege, die Prückelmayr zuzuordnen sind. Wie sich zeigt, eine wirksame Form der Rache.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass das vorliegende Werk das Ergebnis einer jahrzehntelangen Sammlung und Forschungstätigkeit ist. Dabei fällt auf, dass Fürst Johann Weikhard von Auersperg in seinen Lebenserinnerungen Dr. Johann Matthias Prückelmayr, Freiherr von Goldegg, zu seinen Feinden zählte. Im Intrigenspiel am Wiener Hof konnte sich Fürst Johann Weikhard von Auersperg im Traum nicht vorstellen, dass einmal seine Nachkommen (ab 1782) das Schloss des Goldeggers, nämlich Goldegg in Niederösterreich, besitzen würden.

 

Dieses Buch – 228 Seiten und 32 Fotos – ist im Eigenverlag  erschienen und beim Verfasser:

August Pachschwöll

august.pachschwoell@gmx.at

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Signatur: „Johann Matthias von Goldegg Freiherr“